Barrierefreiheit wird zur Pflicht, nicht zur Kür
Seit dem European Accessibility Act (EAA) und dem deutschen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist klar: Digitale Produkte müssen für Menschen mit Beeinträchtigungen nutzbar sein. Auch wenn das BFSG formal ein deutsches Gesetz ist, betrifft es viele Schweizer Firmen direkt, sobald sie Produkte oder Dienstleistungen an Kundschaft in der EU verkaufen. Wer als Schweizer Unternehmen E-Commerce, SaaS oder digitale Services grenzüberschreitend anbietet, kommt an diesem Thema nicht mehr vorbei.
Was das BFSG für Ihre Website bedeutet
Das BFSG verpflichtet Anbieter bestimmter Produkte und Dienstleistungen, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Dazu zählen unter anderem Onlineshops, Banking-Anwendungen und viele webbasierte Dienstleistungen. Als technische Referenz dient dabei WCAG 2.2, der international anerkannte Standard des World Wide Web Consortiums. Wer diese Richtlinien erfüllt, erfüllt in der Regel auch die rechtlichen Anforderungen von BFSG und EAA.
WCAG 2.2: Die technische Grundlage
WCAG 2.2 definiert vier Prinzipien: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Konkret heisst das zum Beispiel ausreichende Farbkontraste, vollständige Tastaturbedienbarkeit, klare Formularfehler und semantisch korrektes HTML. Für Entwickler bedeutet das, Barrierefreiheit nicht erst am Ende eines Projekts zu prüfen, sondern von Anfang an in Komponenten, Design System und CI/CD-Pipeline einzubauen.
Typische Stolpersteine in der Praxis
- Fehlende Alternativtexte bei Bildern und Icons
- Formulare ohne korrekte Labels oder Fehlermeldungen
- Interaktive Elemente, die nur mit der Maus bedienbar sind
- Overlay-Lösungen, die Probleme kaschieren statt beheben
- Fehlende oder unvollständige Accessibility Statements
Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Das BFSG verlangt nicht nur technische Barrierefreiheit, sondern auch eine transparente Erklärung dazu, in welchem Umfang diese erreicht wird.
Wie Weber Development Sie unterstützt
Wir entwickeln kundenspezifische Software und begleiten Schweizer Firmen dabei, WCAG 2.2 und BFSG nicht als einmaliges Audit, sondern als festen Bestandteil der Entwicklung zu verstehen. Mit unserem Package Surjection bauen wir Accessibility Checks direkt in Ihre CI- und Testumgebung ein, basierend auf axe-core, ohne Overlay-Krücken. Das Ergebnis sind nachvollziehbare, kundenfertige Reports und Accessibility Statements, die Sie direkt verwenden können. So wird Barrierefreiheit messbar und wiederholbar, statt einmalig und schnell wieder veraltet.
Fazit
Barrierefreie Websites sind für Schweizer Firmen mit internationaler Kundschaft längst mehr als eine Frage der Ethik, sie sind gesetzliche Realität. Wer WCAG 2.2 früh in Entwicklung und Testprozesse integriert, spart sich spätere Nacharbeiten und reduziert rechtliche Risiken. Wir unterstützen Sie gerne dabei, Ihre bestehende oder neue Website Schritt für Schritt barrierefrei zu gestalten. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch.
Häufige Fragen
Gilt das BFSG auch für Schweizer Firmen ohne Sitz in Deutschland?
Ja, sofern Sie Produkte oder digitale Dienstleistungen an Kundschaft in Deutschland oder der EU anbieten. Massgebend ist der Marktort, nicht der Firmensitz. Schweizer Firmen mit EU-Kundschaft sollten die Anforderungen daher ebenfalls ernst nehmen.
Ab wann muss meine Website barrierefrei sein?
Für viele betroffene Produkte und Dienstleistungen gelten die Anforderungen bereits seit Mitte 2025. Bestehende Angebote profitieren teilweise von Übergangsfristen, neue Projekte sollten jedoch von Beginn an WCAG 2.2 konform entwickelt werden.
Reicht ein Accessibility Overlay, um die Vorgaben zu erfüllen?
Nein. Overlays kaschieren oft nur Symptome und lösen die zugrunde liegenden Probleme im Code nicht. Rechtlich belastbar sind nur Lösungen, die Barrierefreiheit direkt in Markup, Styling und Interaktion umsetzen.
Wie teste ich, ob meine Website WCAG 2.2 konform ist?
Eine Kombination aus automatisierten Tests, etwa mit axe-core, und manuellen Prüfungen durch echte Nutzung mit Tastatur und Screenreader liefert die verlässlichsten Ergebnisse. Automatisierte Checks in der CI-Pipeline helfen zudem, Regressionen frühzeitig zu erkennen.
